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Ferien als Spiegel: Wie lebst du Beziehung?

Ferien schaffen Abstand vom Alltag – und machen sichtbar, wie wir Beziehung leben. Geben wir uns und anderen den nötigen Freiraum oder bestimmen alte Muster und Erwartungen die gemeinsame Zeit?

Ihr Lieben,

Es ist Ferienzeit – die Zeit, um dem Alltag zu entgehen, zu entspannen und dabei durchzuatmen – jedes auf seine Weise.

Die einen jagen nach Adrenalin beim Sport auf dem Wasser oder in den Bergen – aktive Entspannung (wie ich sie auch mag). Die anderen faulenzen am Strand, sonnen sich und versinken in Büchern oder Zeitschriften (was ich auch geniessen kann – in diesem Jahr mit einem Buch: „Club der Unbeugsamen“ von Kathryn Stockett). Endlich Zeit, frei zu sein. Autonom zu gestalten, meine Bedürfnisse achtend und einfach kommen zu lassen, was der Tag mitbringt.

Und wie sieht die Realität aus?
Da ist die Familie – die gemeinsame Zeit mit den Kindern, ihre strahlenden Augen, wenn sie den Tag erleben. Und die Eltern, die eingeladen werden, daran teilzuhaben. Wunderschön. Aber ist es überall so?

Diese zwei oder drei Wochen können ein Spiegel sein, wie wir Beziehung leben.

Bin ich mir selbst nahe? Erkenne ich meine persönlichen Bedürfnisse? Empfinde ich, was ich brauche – und was nicht? Kann ich mir den Raum nehmen, den ich hierfür brauche, ohne Schuldgefühle? Ohne Angst, vom Rest der Familie nicht angenommen zu werden? Angst vor dem verlassen werden, wenn ich nicht bin, wie sie mich haben wollen?

Und gelingt es mir, mich in diesem Raum wohlzufühlen, weil jede*r in der Familie seinen eigenen Rückzugsort hat? Einen Raum, der nicht trennt, sondern eine Dynamik schafft, in der jeder so sein kann, wie er will. 

Ungezwungen würde ein Raum entstehen, in dem das Bedürfnis geweckt wird, gemeinsam den Tag zu gestalten und zu verbringen – angepasst am schwächsten.

Wie sieht‘s aus? Ist/war da plötzlich ein Diktatorin? Still – in Form von unausgesprochenem Trotz. Oder einer, der laut die Peitsche schwingt, weil man ja etwas zusammen machen muss – und dies auch laut eingefordert wird.

Hinter dieser „Peitsche“ stecken oft nur eigene Überlebensstrategien. Es wird verzweifelt versucht, unserem Gegenüber unser eigenes Muster überzustülpen – in der Hoffnung, selbst Sicherheit zu finden. „Mach halt so, mach halt dieses, mach halt jenes, du könntest ja auch einmal …“ – Aussagen, die weniger fördern und mehr über unsere eigene Angst offenbaren. Sie zeigen nicht, was der andere gerade bräuchte, sondern wie wir selbst funktionieren, um uns zu schützen. Wir glauben, mit diesen Anweisungen den Moment oder den Tag zu retten, dabei retten wir nur unser altes, vertrautes System – um zu überleben.

Aus freien Tagen werden plötzlich Verpflichtungen. Die Flucht von einem Extrem ins andere – wie im Beruf, mit dem wir uns identifiziert haben. Ist das Geschäft nicht gegenwärtig, projizieren wir es in die „schönsten Tage des Jahres“.

Die Frage steht: Wie lebe ich also Beziehung mit mir selbst?
Kann ich es genießen, einfach mal da zu sein, mit mir verbunden? Oder wird es unruhig in mir, sobald es um mich herum stiller wird – keine Aufgaben, keine Pendenzen, kein Tagesgeschäft?

Wer bin ich – ohne meinen Beruf, meine Firma? Was will ich – neben meinem Beruf, meiner Firma?

Vielleicht hast du dir ja schon einmal die Frage gestellt, woher diese Unruhe kommt und was sie dir zeigen will.

Ferientage können dies bei offener Betrachtung lehrreich aufzeigen: Schaffe ich den Raum, den mein Kind, mein Partner, meine Partnerin braucht – und vor allem: gestatte ich ihn – auch mir selbst?
Schaffe ich es, dass jedes seine individuelle Auszeit hat und bekommt, was es braucht? Gelingt es mir, diesen Raum auch anzunehmen? Wenn nicht, kommt sofort die Diskussion: „Wir müssen doch etwas miteinander unternehmen! Das ist doch Familie! Gemeinsamkeit!“

Ich stelle da die kritische Frage: Nehmen wir also „Freunde und Bekannte“ mit, um nicht allein zu sein (dort wo die Kinder schon ausgeflogen sind)? Gehen wir Beziehungen ein, die uns dahingehend ablenken, damit wir mit uns selbst – oder mit der Partnerin – nicht alleine sein müssen?

Unbewusst drehen wir dieses Rad – oder machen unbewusst mit – weil auch wir mit dem Alleinsein überfordert sind.

Die Frage „Wie lebe ich Beziehung mit mir?“ zeigt, wie Beziehung im Außen stattfindet.

Sind wir uns unserer inneren Muster nicht bewusst, projizieren wir sie nach außen. Auf diesem Weg wollen unbewusst unser Inneres verstehen lernen – aber wenn das Bewusstsein fehlt, drehen wir uns nur im Hamsterrad. Kein Weiterkommen.

Genau solche Fragen können im Zentrum der offenen IoPT-Seminare stehen – nächster Termin: 29. August 2026. Hier kannst du – begleitet von mir – deiner eigenen Antwort ursachenorientiert auf den Grund gehen, in einem Raum, der genau solche Spiegelungen urteilsfrei ermöglicht.

Und wenn du spürst, dass dieses Verstehen nicht nur ein Impuls bleiben, sondern zu deinem (beruflichen) Handwerkszeug werden soll: Die einjährige Fortbildung zum zert. IoPT vertieft die Theorie und Methode nach Prof. Dr. Franz Ruppert – für alle, die Menschen auf ihrem Weg zur eigenen Identität emphatisch kompetent begleiten wollen – Mamas, Papas ebenso wie Menschen in der Führung und Begleitung. 

Ich wünsche dir erholsame und liebevolle Ferientage und da wo sie sich dem Ende neigen, dann einen gelungenen Start, zurück in den Alltag.

Über den Autor

Christian Strässle begleitet seit 1993 Menschen in Veränderungsprozessen. Sein Schwerpunkt liegt auf Entwicklungstrauma, Identitätsentwicklung und ursachenorientierter Begleitung. Seine Arbeit verbindet langjährige Praxiserfahrung, systemisches Denken und die Identitätsorientierte Psychotraumatheorie (IoPT).

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